Wolfenstein II: The New Colossus im Review

Diese Unterüberschrift wurde zensiert

Wolfenstein: The New Order brachte vor gut drei Jahren frischen Wind in die Segel dieses Shooter-Urgesteins. Jetzt kehr die Serie mit The New Colossus zurück und führt die “alternate History” des Vorgängers fort. Ob sich die Entwickler ein wenig an der DOOM-Neuauflage orientiert haben, die letztes Jahr um diese Zeit mit überdrehtem Tempo überzeugt hat?

Mustache = böse

Das bei uns die in The New Colossus behandelten Thematik eher heikel behandelt werden muss, ist ja nichts neues. Was in Filmen problemlos zur Schau gestellt wird, ist im deutschsprachigen Raum in Videospielen noch immer ein Tabu. Eigentlich ist mir die Zensur von Hakenkreuzen und ähnlichen Symbolen ziemlich gleichgültig und ändern an meiner Spielerfahrung nichts. Doch manch andere Anpassungen ziehen Wolfenstein II etwas ins Lächerliche und lassen es eher so wirken, als würden wir versuchen das gesamte Thema unter den Teppich zu kehren. Aus Hitler wird Herr Heiler, der Schnauzer muss raisert werden und man bekämpft halt jetzt das Regime. Auch hiermit hätte ich mich zufrieden geben können, jedoch ist die zensierte deutsche Fassung von Wolfenstein II: The New Colossus nur das – deutsch. So eine lieblose Lokalisierung habe ich lange nicht gesehen. Durch die ganze übertriebene Zensur des Redetextes hat sich Bethesda nicht die Mühe gemacht eine englische Tonspur zu inkludieren. Dadurch wird aus einem mehrsprachigen Erlebnis, man vergleiche hier Inglorious Bastards, zu einem lieblosen deutschen Ablesen des Textes. Dass im Menü noch immer die Option auf Untertitel für andere Sprachen vorhanden ist, obwohl die deutsche Version nur einsprachig ist, ist ein besonderer Schlag ins Gesicht. Sogar ein schlecht eingefügtes BEEP-Geräusch hätte ich hier bevorzugt um die ganzen “bösen” Wörter zu überdecken.

Is’ halt kein DOOM

Die Präsentation der Story ist selbst rein inhaltlich betrachtet nicht gerade berauschend. Ihr beginnt die Geschichte buchstäblich im Rollstuhl, nachdem William “B.J.” Blazkowicz am Ende des letzten Teils schwere Verletztungen davongetragen hat – ein Antiklimax sondergleichen. Kurz später ist er zwar wieder in der Lage normal zu kämpfen, raunzt aber permanent, dass er bald das Zeitliche segnen wird. Auch B.J.s tragische Kindheit, die ihn ein wenig menschlicher machen soll, wirkt sehr aufgedrückt. Ich wünschte hier wären sie eher die DOOM-Route gegangen und hätten die Story der Over-the-top-Natur des Gameplays angepasst. Denn selbst in so einem Kontext kann ein emotionaler Moment eine Reaktion verursachen, anstatt permanent eine kognitive Dissonanz zwischen Spiel und Geschichte zu erzeugen. Dazu kommt, dass die meisten wirklich coolen Momente entweder völlig übersprungen, oder nur in einer Cutscene gezeigt werden. Hauptsache ich “darf” nach jeder großen Mission eine Schnitzeljagd durch das Uboot machen, das als Basis fungiert… Hier wurde viel Potential verschwendet und lässt das Endprodukt einfach fad erscheinen.

Zerbrechlicher Spielfluss

Eines macht Wolfenstein II: The New Colossus aber richtig: Das Gameplay. Das Spiel steuert sich wirklich gut, auch auf der Konsole. Das Tempo passt zur Serie und Feuergefechte sind meist sehr unterhaltsam. Es gibt Waffenupgrades zu finden, die obwohl sie sehr minimale Anpassungen bieten, etwas mehr Tiefe bringen. Stat-Verbesserungen können freigeschalten werden indem ihr gewisse Ziele erreicht, wie z.B. 10 Kopftreffer. Als kleines Belohnungssystem motiviert das auf jeden Fall. Doch trotz Lob ist nicht alles so rosig. Die Levels sind meist sehr linear und kurz, und trotzdem verläuft man sich oft wegen der mittelmäßigen Level-Struktur. Große Abwechslung unter den Gegnern gibt es nicht und das Spiel wäre gerne ein Stealth Game, wofür aber die notwendigen Mechaniken fehlen. B.J. stirbt außerdem überraschend leicht, was sich ein bisschen mit dem ursprünglichen Pace der Serie schneidet. Zusätzlich sind die Ladezeiten nicht die kürzesten, was die Zerbrechlichkeit des Hauptcharakters noch mühsamer macht.

Unheilvolle Unterhaltung

Die Fehler die Wolfenstein II: The New Colossus macht, summieren sich leider zu einer Experience, die mich großteils gelangweilt hat. Einzig der schnelle Spielablauf durch die sehr kompetenten Mechanics konnte mich ein wenig am Ball halten. Die lieblose Lokalisierung ist nur das Sahnehäubchen auf der der unvorteilhaften Präsentation, den linearen Levels und den unliebsamen Charakteren. Potential gäbe es genug, was vor allem der Vorgänger und der neueste Doom-Ableger zeigen. Hoffen wir, dass der nächste Teil von Blazkowiczs Geschichte sich nicht zu sehr an The New Colossus orientiert und somit die Serie auf das Level anhebt, das man von ihr gewohnt ist.

Was wir gut fanden:

  • Super Steuerung
  • Stat-Verbesserungen durch Milestones

Was wir nicht gut fanden:

  • Lineare Level
  • Schlechte Lokalisierung
  • Melodramatische Präsentation
  • Lange Ladezeiten

ShinigamingFür diesen Artikel wurde uns von Bethesda ein Review-Code für Xbox One zur Verfügung gestellt. Habt ihr The New Order gespielt? Wenn ja, wie findet ihr die Fortsetzung im Vergleich? Hinterlasst uns einen Kommentar auf FacebookTwitter, oder gleich hier unter dem Post!

  • Leidenschaftlicher Pokémon-Breeder, der in jedem Spiel einen Exploit findet. Führt gern hitzige Diskussionen über "wichtige" Themen. Der Felser in der Brandung unserer Redaktion.

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