The Evil Within 2 im Review

Schaurig trashig

Alles, was ich vor Release zu The Evil Within 2 gesehen habe, ist purer Horror – zumindest für jemanden, der etwas empfindlich gegenüber dem Genre ist. Ich habe das Spiel mittendrin abgebrochen – nicht weil es schlecht ist, sondern weil meine Nerven nicht mehr mitgemacht haben. Erst als sich mutige Freunde bereit erklärt haben, sich mit mir gemeinsam zu gruseln, konnte ich das Spiel fortsetzen. Zum Glück, denn das hat mich gelehrt, dass das Sequel zu Shinji Mekamis neuer IP weit mehr zu bieten hat als Schockmomente.

Angstschweiß zu Beginn des Spiels

Ich bin ein kleiner Hosenscheißer. Horrorfilme sind für mich bereits schwierig anzuschauen, doch Videospiele sind da eine ganz andere Hausnummer. Ich schaue nicht bloß zu, wie jemand in ein verfluchtes Haus spaziert, sondern mache es selbst. Ich bin plötzlich derjenige, über den ich mich in Horrorfilmen lautstark aufrege. Anstatt mich in eine Ecke zu verkriechen und nicht mehr rauszukommen, muss ich mich allerdings meinen Ängsten stellen, um im Spiel voranzukommen.

Vor allem in den super inszenierten Anfängen von The Evil Within 2 war die Überwindung weiterzuspielen echt groß. Man läuft durch ein Hotel, Leichen hängen von der Wand und nur die eigene Taschenlampe spendet einem Licht. Ich pirsche langsam von Gang zu Gang, mein Puls rast und… Pause. Ich drehe ein paar Runden in meinem Zimmer um mich zu beruhigen, setze mich wieder vor die Konsole und weiter geht’s. Ich schaue vorsichtig um jede Ecke, schraube die Lautstärke des Fernsehers ein wenig runter und dann kommt doch ein Jumpscare, der mich zum Aufschreien bringt. Der Horror geht glücklicherweise mit fortschreitendem Waffenarsenal und der weitläufigen Spielwelt ein wenig verloren, denn die gruseligsten Momente des Spiels finden eindeutig in den engen Räumen statt, die nur wenig Fluchtmöglichkeiten bieten. So können Schisser wie ich zwischendurch entspannen. Wer aber den Kick gezielt sucht, wird womöglich seine Schwierigkeiten mit dem Spiel haben.

Durchatmen und erkunden

In The Evil Within 2 spielt man Sebastian Castellanos, ehemaliger Polizist und einfach ein harter Typ. Eine geheime Organisation schickt ihn in STEM, eine virtuelle Horror-Welt, um seine Tochter zu retten und gleichzeitig herauszufinden was dort schiefgelaufen ist. Denn die einst idyllische Kleinstadt ist zu einem mit Monstern übersätem Alptraum geworden. So erkundet man das Städtchen von Haus zu Haus und hat erstaunlich viele Freiheiten dabei. Das Spiel ist in kleinere Open-World-Abschnitte eingeteilt, und so ist einem selbst überlassen ob man der Hauptmission folgt, Nebenaufträge abhandelt oder einfach nur nach Loot und Schrecken in der Umgebung sucht. Man fühlt sich jedoch trotzdem nie komplett sicher, denn hinter jeder Ecke und jeder Tür kann eine böse Überraschung auf einen warten. Die Spielwelt ist dabei atmosphärisch düster und lädt zum Erkunden ein, während einem einige Werkzeuge und Waffen zur Verfügung stehen: Pistolen, Armbrust mit diversen Pfeilarten, Schrotflinte, Sniper und so weiter. All diese Waffen können verbessert werden, was die Individualisierung des eigenen Spielstils ermöglicht. Gleichzeitig besteht die Option den Protagonisten zu stärken und so unter anderem seine Schleichkünste, Waffenskills oder Ausdauer zu verbessern.

Dialoge aus der Hölle

Die Story selbst ist relativ belanglos, denn die Dialoge und die Inszenierung dieser wirkt ziemlich trashig. Aber hey, der spirituelle Vorgänger Resident Evil konnte dadurch auch nicht punkten und wird heutzutage von vielen Gamer-Generationen gefeiert. Trotzdem muss ich gestehen: Wirklich mitgefühlt, oder mich um Charaktere gesorgt, habe ich mich leider zu keiner Sekunde. Was echt schade ist, denn mit einer guten Geschichte hätte man eindeutig Parallelen zu The Last Of Us ziehen können, welches im gleichen Genre geschafft hat in all diesen Aspekten zu überzeugen. Beim Durchspielen wurde ich konstant an Sonys Exklusivtitel erinnert. Man läuft durch Kleinstädte, sucht nach Loot und hat ständig Munitionsarmut. The Evil Within 2 punktet sogar mit mehr Freiheiten im Gameplay, hinkt jedoch extrem bei der Präsentation der Geschichte.

Spaßiger Schrecken

The Evil Within 2 weiß genau, wie es die menschlichen Urängste auslöst. Es hat aber, wie auch jeder Horrorfilm, seine Schattenseiten, die sich vor allem in Sachen Inszenierung und Dialoge zeigen. Die Open-World macht Spaß, doch der Kontrast zu den linearen Erzählpassagen lässt das Spiel hier und da etwas unrund wirken. Dennoch wird der Spieler oft genug in enge und bedrohliche Situationen geworfen, damit das Horror-Feeling nicht komplett verloren geht. Das Crafting, die Möglichkeiten seinen Spielstil auszuleben und besonders die Schießstand-Minigames in Sebastians Office machen wirklich Spaß. Letzteres ist sehr zu empfehlen, wenn man seine Nerven nach der Monsterjagd beruhigen will. Ich hatte es dringend nötig.

Was wir nice fanden:

  • Gruselige Story-Passagen
  • Freiheiten durch Open-World
  • Unterhaltsames Minigame

Was wir nicht so nice fanden:

  • Offene Spielwelt mindert den Horror
  • Belanglose Story
  • Trashige Dialoge

Shinigaming

Für diesen Artikel wurde uns von Bethesda ein Review-Code für Xbox One zur Verfügung gestellt. Habt ihr euch eine Fortsetzung von The Evil Within gewünscht? Wie findet ihr es verglichen zu den alten Resident Evil-Titeln? Hinterlasst uns einen Kommentar auf FacebookTwitter, oder gleich hier unter dem Post!

  • Der jüngere der Blaufischbrüder. Mag Filme lieber als Videospiele, weil sie oft eine bessere Geschichte erzählen. Liebt VR in all seinen Facetten.

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