Divinity: Original Sin 2 im Review

Strafe hasst man, aber Sünden liebt man

Larian Studios bringt mit Divinity: Original Sin 2 endlich die Fortsetzung des Rollenspielepos auf den Markt. Der erste Teil hat bei RPG-Fans wie eine Bombe eingeschlagen und konnte sich vor Lob kaum retten. Die Erwartungen sind dementsprechend hoch, aber dank Schlafmangel gekoppelt mit Frischluftentzug, konnte ich über 150 Stunden in den Titel investieren um ihn genauer unter die Lupe zu nehmen.

Das neue Jahrtausend bricht heran

Wer sich Sorgen macht, den ersten Teil noch nicht gespielt zu haben, kann schon mal durchatmen. Divinity: Original Sin 2 spielt über tausend Jahre nach den letzten Ereignissen und bietet Neueinsteigern, sowie Veteranen einen ausgezeichneten Einstieg in die neue Welt. Lediglich Anspielungen und Easter Eggs könnten an neuen Spielern vorbeigehen. Ich habe Divinity: Original Sin nie komplett durchgespielt, habe aber zu keiner Zeit Probleme gehabt mich in Original Sin 2 zurechtzufinden. Larian Studios empfiehlt vor allem beim ersten Durchspielen einen ihrer sechs vorgefertigten Charaktere zu verwenden, welche eine persönliche Backstory haben, damit ein zweiter roter Faden neben der Hauptstory gespannt wird. Diese Empfehlung habe ich mir direkt zu Herzen genommen. Die Gechichte beginnt, wie so oft bei Rollenspielen, im Gefängnis. Als Sourcemagier seid ihr und eure Kollegen böse und werdet darum vom Divinity-Äquivalent der spanischen Inquisition in ein „Heilungslager” verschifft, um die Source zu „reinigen”. Diese Prämisse klingt zwar simpel, entwickelt sich aber nach und nach in eine überraschend einnehmende Geschichte mit vielen Möglichkeiten und Twists. Die Story hier genauer zu beschreiben ist wie einen guten Film zu spoilen. Erlebt sie daher am besten, so wie ich, ungefiltert und mit wenig Vorwissen.

Die Kunst des (rundenbasierten) Krieges

„Man kann alles machen” ist zwar eine überspitzte Aussage, wenn man aber erstmals mit der schieren Menge an Interaktionsmöglichkeiten konfrontiert wird, wird einem schnell klar, wieso viele diese Phrase in den Mund nehmen. Divinity: Original Sin 2 hält den Spieler an der längsten Leine seit The Elder Scrolls. Verwickelt man sich in einen Kampf, wird das Echtzeitadventure zur Rundenstrategie. Spieler und AI wechseln sich ab, basierend auf dem Initiative-Wert eines Charakters. Was auf dem ersten Blick simpel aussieht, entpuppt sich schnell als größte Herausforderung des Spiels – die Planung der Züge ist deswegen essentiell. Schon auf normaler Schwierigkeit werden Fehltritte gnadenlos bestraft und führen meist zum Griff nach der Schnellladentaste. Die Physikengine des Spiels trägt einen großen Teil dazu bei, ihr müsst euch nämlich das Terrain zu Nutzen machen um Kämpfe gut zu überstehen. Ob ihr Gegner ins Wasser lockt und sie unter Strom setzt oder aus Wasserdampf und Gift giftiges und hoch entzündliches Gas entstehen lässt: Eurer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Gekoppelt mit der großen Menge an Skills und Zaubern ist fast jede Begegnung eine Herausforderung, denn Gegner haben natürlich dieselben Möglichkeiten wie ihr. Ich glaube, mein Krieger hat die Hälfte seiner Zeit als brennende Wunderkerze verbracht.

Pen & Paper ohne Papier

Bis zu vier Personen können  für Co-op-Runden eine Gruppe bilden. Ich habe sowohl einen Spielstand alleine als auch einen mit einem Freund gespielt und vor allem letzteres kann ich nur weiterempfehlen. Das Chaos multipliziert sich zwar mit jedem Spieler, aber ebenso der Spaß. Das Gefühl einer Pen & Paper-Partie wird ausgezeichnet emuliert. Wer sich lieber um den Titel des Meistertaktikers reißt, dem steht der Arenamodus zur Verfügung, wo schnelle Vier-gegen-vier-Kämpfe ausgetragen werden. Der Gamemaster-Modus ist jedoch, meiner Meinung nach, der eigentliche Star. Wie der Name schon preisgibt, kann jeder hier das Zepter des Gamemasters selbst in die Hand nehmen und ein eigenes Abenteuer kreieren. Zugegeben, sich mit dem Tool vertraut zu machen nimmt bestimmt viel Zeit in Anspruch, aber zusammen mit Steam-Workshop-Support wird es bald viele Community-Kampagnen und Mods geben, die das Spiel mit zahlreichen neuen Inhalten versorgt.

Akribisch verpackt, ohne Lücken befüllt

Ein gutes RPG zeichnet sich zwar nicht zwangsläufig durch seine Optik aus, aber wenn diese Komponente auch überzeugt, schadet es bestimmt nicht. Auch auf mittleren Einstellungen sind die Models und Effekte noch sehr detailliert und hübsch anzusehen. Das ohnehin schon pralle Paket erhält dadurch eine perfekte Verpackung. Der Soundtrack und die Sprecher schaffen es sich herausragend in die Welt und Rollen einzufügen und bilden letztendlich die Schleife auf der Verpackung um so die Präsentation in seiner Gesamtheit zu vollenden.

Divinity definitiv erreicht

Larian Studios zeigt wie sich das Genre des Top-Down-RPG ausschöpfen lässt und präsentiert schlicht ein Meisterwerk. Der Umfang der hier geboten wird ist bescheiden gesagt massiv. Kleine Bugs hier und da sind schnell verziehen und auch Frust kommt keiner auf, selbst nach häufigem neu laden. Es ist eine Weile her, dass mich ein Spiel so sehr an den Bildschirm gefesselt hat. Ich habe viel Schlaf geopfert um es inzwischen zweimal durchzuspielen und würde jederzeit neu beginnen. Trotz, oder gerade wegen meiner allgemeine Schwäche für das Genre, kann ich mit Sicherheit behaupten, dass Divinity: Original Sin 2 definitiv eines der besten Rollenspiele der letzten Jahre ist.

Was wir göttlich fanden:

  • Umfang der Interaktionen
  • Taktisches Kampfsystem
  • Wiederspielwert
  • Multiplayer-Support

Was wir nicht so göttlich fanden:

  • Teilweise noch Bugs vorhanden
  • Vereinzelt nahezu unfaire Gegner

Shinigaming

 

Für diesen Artikel wurde uns von Larian Studios ein Review-Code für PC zur Verfügung gestellt. Wie gefällt der zweite Teil des Divinity-Epos? Hinterlasst uns einen Kommentar auf FacebookTwitter, oder gleich hier unter dem Post!

  • Blizzard-Fan der ersten Stunde und Auffangbecken der Redaktion. Könnte ausschließlich von Videospielen und Reis leben.

  • Show Comments

Leave a Reply