South Park: The Fractured but Whole im Review

Wenn Cartoon auf Videospiel trifft

Mit The Fractured but Whole geht die einzigartige Kooperation zwischen Ubisoft und South Park Studios in die zweite Runde. Nach dem sensationell referenzenreichen ersten Abenteuer liegt die Messlatte hoch und vor allem Serienfans rätseln, wie denn der erste Teil überhaupt übertrumpft werden kann. Doch für die cleveren Schreiberlinge Matt Stone und Trey Parker ist bekanntlich nichts zu tricky, und so werden jetzt mit dem neuen Teil die Universen um DC und Marvel etwas auf die Schippe genommen.

Next Level Storytelling

Nachdem Dungeons & Dragons zu uncool wurde, mussten sich die Kinder von South Park eine neue Fantasiewelt ausdenken, in der sie spielen können. Jetzt dreht sich alles um Superhelden und Alter-Egos, und die Holzschwerter wurden schnell gegen billige Capes und Masken ausgetauscht. In der Geschichte passiert dieser Übergang fließend und gibt einem dadurch das Gefühl genau da wieder einzusteigen, wo man vor drei Jahren aufgehört hat. Es gibt einem den Anschein, als würde man zu einer zweiten Staffel zurückkehren. Generell wirkt The Fractured but Whole erzähltechnisch durchdachter als der erste Teil und glänzt, ganz in der Manier der Serie, mit durchdachten Jokes und massig Gesellschaftskritik. Während The Stick of Truth hauptsächlich durch Referenzen punktete, webt die Fortsetzung eine höchst amüsante Story um die zahlreichen Anspielungen der vergangenen Staffeln, die aber auch gut für sich alleine steht. Selbst wenn es schon länger her ist, dass man die Geschichten von Eric Cartman und Konsorten verfolgt hat, ist es erstaunlich leicht einzutauchen und sich dabei nicht verloren vorzukommen.

The Yaoi Hunt

Nicht nur in der Narrative gewinnt das Franchise an Tiefgang. Diesmal wurde das Item-System um Crafting erweitert, was dafür sorgt, dass die meisten Items in irgendeiner Form wiederverwertet werden können. Es macht zwar Spaß einzigartige Artefakte zu kreieren, die dann letztendlich die Combat Power des eigenen Charakters in die Höhe drücken, aber looten verliert durch dieses System extrem an Reiz. Da sich der Titel von den Collectables wegbewegt, sind Items kategorisch und ziemlich unsexy nach ihrem Nutzen eingeteilt und meist mit den dazugehörigen Universalbildern abgefertigt. Hebt man also einen Gegenstand auf, muss man sehr genau lesen und bekommt viele Jokes gar nicht visualisiert. Schade, denn so wären mir fast Scherze, wie der ultimative Chinpokomon GO Strategy Guide, entgangen. Dann wiederum habe ich mich jedes Mal gefreut, wenn ich eine der vielen Yaoi-Zeichnungen von Craig und Tweek gefunden habe, welche in Anbetracht, dass sie Viertklässler darstellen sollen, teilweise etwas ins Absurde abdriften und mich mit den vielen verschiedenen Designs stets zum Schmunzeln brachten.

Taktische Tiefe

Auch das Kampfsystem, das bereits im Vorgänger rundenbasiert war, wurde leicht abgeändert. Nun bewegt man sich auf einem schachbrettartigen Spielfeld und muss dadurch die Reichweite gewisser Attacken genau kalkulieren und ein paar Runden vorausdenken. Tendenziell dauern dadurch Kämpfe einen Tick zu lange, und oft verbringt man Züge damit zu passen, weil nur wenige der nicht anpassbaren Teammitglieder Attacken besitzen, die in der Senkrechte massiven Schaden ausüben und man sich in der Horizontalen oftmals den Weg versperrt. Der eigene Charakter ist zum Glück perfekt anpassbar. Hier gibt es aus vielen Klassen und Subklassen auszuwählen, aus denen man sich dann die besten Fähigkeiten herauspickt. Vergesst nur nicht euch für Cartman aka The Coon eine passende Backstory zu eurem Charakter auszudenken. Und verpasst es auch nicht euer Kryptonit zu wählen, denn was ist schon ein Superheld ohne Schwäche vor Sechstklässlern oder Krebsmenschen?

Auf der Suche nach der Challenge

Selbst als afroamerikanischer Transgender-Charakter auf der Kampfschwierigkeit Mastermind erschien mir das Spiel etwas zu einfach. Schlachten ziehen sich extrem, vor allem weil Animationen nicht überspringbar sind und man trotz fehlender Schwierigkeit viel zu viel Zeit verbringt seine Züge zu auszuführen. Ich hab mich oft dabei erwischt Konfrontationen eher zu meiden, weil es selbst auftrainiert nicht viel Spaß macht die zufälligen Gegner auf der Map zu kloppen. Ganz anders verhalten sich hingegen die vielfältigen Auseinandersetzungen mit Bossen. Bei diesen Events fließt meist ein großes Maß an Dialog und Story in die Kämpfe, was zu vielen unvorhergesehenen Interaktionen führt. The Fractured but Whole schafft es also nur dann einen herauszufordern, wenn es seine eigenen Regeln bricht.

Rektakuläres Zusammenspiel

South Park gelingt es mit The Fractured but Whole erneut ein Produkt zu schaffen, das näher an der Vorlage liegt, als man es für möglich hält. Die Grenzen zwischen Cartoon und Videospiel verschwimmen und sind für den Beobachter nicht mehr wahrnehmbar. Leider ist der Titel an den Stellen, wo er sich stärker als Videospiel herauskristallisiert, auch am schwächsten. Aber wer South Park liebt, sucht kein ausgefeiltes RPG, sondern eine interaktive Welt, die einen mit ihrem Charme und Meta-Humor mehr als nur einmal zum Auflachen bringt. Und das erzielt The Fractured but Whole mit Bravour.

Was wir nice fanden:

  • Authentische Spielwelt
  • Grandioses Writing und Humor
  • Dutzende Easter Eggs für Serienliebhaber

Was wir nicht so nice fanden:

  • Schwaches Kampfsystem
  • Looten unspaßig

Shinigaming

Für diesen Artikel wurde uns von Ubisoft ein Review-Muster für Playstation 4 zur Verfügung gestellt. Wie gefällt euch der Wechsel des Settings? Welche Gegnerart ist euer Kryptonit? Hinterlasst uns einen Kommentar auf FacebookTwitter, oder gleich hier unter dem Post!

  • Liebt schwarzen Kaffee und Musik mit Schreierei. Ist Gründungsmitglied, aber trotzdem furchtbar schlecht in kompetitiven Spielen. Besitzt ein lebensgroßes Schlüsselschwert um die Welt vor herzlosen Reviews zu beschützen.

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