Cuphead im Review

Noch alle Tassen im Schrank?

Wer in den Neunzigern aufgewachsen ist, durfte vermutlich noch die klassischen Cartoons genießen, bevor diese von seelenlosem CGI-Müll vertrieben wurden. Nach einigen Turbulenzen in der Entwicklung erscheint nun Cuphead, ein Spiel, das dem Zeichenstil von 1930 detailgetreu nachempfunden ist und schon allein dadurch enorme Aufmerksamkeit vor Release auf sich zog. Kann es dem Hype gerecht werden?

Zwei Tassen auf der Suche nach Seelen

Nachdem die Brüder Cuphead und Mugman ihre Seelen im Casino des Teufels vergambelt haben, gilt es für sie andere Seelen aufzutreiben, um den Verlust ihrer eigenen zu vermeiden. Das reicht schon als Hintergrundstory um in den Kampf gegen zahlreiche, liebevoll illustrierte Bosse zu ziehen. Im Gegensatz zu anderen Titeln, die nach dem Prinzip Run & Gun funktionieren, bewegt man sich in Cuphead nur durch sechs Level selbst. Der Hauptfokus ist den 18 Bossen gewidmet, was aber keinesfalls an der Qualität des Spiels rüttelt. Durch die fordernde Schwierigkeit und das einladende Design der Spielwelt verbringt man genug Zeit damit Level zu wiederholen und kommt dadurch locker auf knapp 10 Stunden Spielzeit. Zwischendurch bewegt man sich über eine detailreiche Map, die zur Levelauswahl dient, ein paar Überraschungen parat hält und die einzelnen Level sehr gut abrundet. Ein Shop macht beispielsweise Upgrades möglich, die einen Kompromisse in der Charaktergestaltung eingehen lassen und so zum experimentieren einladen.

Knüppelharte Kämpfe

Wer glaubt, dass das Spiel mit seiner kindlichen Optik keine Herausforderung bietet, wird schnell lernen, dass der Schein trügt. Cuphead ist in Sachen Schwierigkeit mit Super Meat Boy oder Hotline Miami vergleichbar. Dark Souls ist es keines, aber meine Ausraster in den letzten Tagen kommen dem Souls-Frust schon sehr nahe. Jeder Hit lässt den Selbsthass wachsen, denn ohne Upgrades ist nach drei Treffern Schluss und die Todesanzeige offenbart dann, wie knapp man eigentlich von dem plötzlich so nahe wirkenden Ziel entfernt war. Die Hauptfigur Cuphead fühlt sich im Handling zudem perfekt an, sodass jeder Fehler der eigenen Leistung zuzuschreiben ist. Zum Glück verbirgt sich hinter der Retry-Funktion kaum eine Ladezeit, und so kann man sein Glück innerhalb von einer Sekunde von neuem versuchen. Cuphead mag schwer sein, aber es ist definitiv zu jeder Zeit fair.

Doppelt hält besser?

Das komplette Spiel kann auch im Co-Op bestritten werden. Das macht es aber nicht unbedingt leichter, da in den einzelnen Stages ohnehin schon recht viel abgeht, und das Chaos natürlich mit zwei Spielern tendentiell größer ist. Trotz doppelter HP der Gegner macht es Spaß gemeinsam Bosse zu bestreiten. Bereitet euch aber darauf vor, dass ihr ohne gute Absprache und Taktik nicht weit kommt. Überrascht war ich, als ich festgestellt habe lieber abwechselnd zu spielen, da ich so erstmal auf die detailverliebten Hintergründe achten konnte, die man durch die hohe Konzentration schnell mal ausblendet. Nach einigen Versuchen bekommt man nämlich eine Art Tunnelblick und man achtet zwangsläufig nur noch gezielt auf die verschiedenen Angriffsschemata der Bosse, die man mit jedem Versuch ein Stücken mehr verinnerlicht. Wenn man den Boss schließlich nach dem fünfzigsten Try legt, fühlt man sich fantastisch und will sich gleich ins nächste Level stürzen.

Eine Zeitreise der ganz besonderen Art

Wer sich einen Mix aus Mickey Mouse à la Steamboat Willie und Contra wünscht, ist mit Cuphead bestens bedient. Selten habe ich eine neue IP mit so viel Charakter aus dem Boden sprießen sehen, und mich so schnell in ein Konzept verliebt. Artstyle, Soundtrack und Gameplay gehen eine nahezu perfekte Symbiose ein, die einem das Gefühl gibt eine Zeitkapsel zu öffnen, aber dennoch ein Produkt aus 2017 zu spielen. Genau so müssten Games ausgesehen haben, wenn 1930 schon die heutige Technik zur Verfügung gestanden wäre. Es wäre echt eine Schande, wenn die beiden Teetassen keine Fortsetzung bekommen, denn verdient haben sie es ganz gewiss.

Was wir nice fanden:

  • Einzigartige Optik
  • Grandioser Soundtrack
  • Detailverliebtheit
  • Schnelle Ladezeiten

Was wir nicht so nice fanden:

  • Frustration tendenziell hoch
  • Im Co-Op unübersichtlich

Shinigaming

Wie gefällt euch Cupheads Stil? Stört euch der hohe Schwierigkeitsgrad, oder sucht ihr gerne die Herausforderung? Hinterlasst uns einen Kommentar auf FacebookTwitter, oder gleich hier unter dem Post!

  • Liebt schwarzen Kaffee und Musik mit Schreierei. Ist Gründungsmitglied, aber trotzdem furchtbar schlecht in kompetitiven Spielen. Besitzt ein lebensgroßes Schlüsselschwert um die Welt vor herzlosen Reviews zu beschützen.

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