Die Gewinner und Verlierer der E3 2017

Das jährliche Affentheater in L.A.

Die E3 2017 ist vorbei. Wiedermal pilgerten tausende Menschen nach Los Angeles um sich einen Überblick über das kommende Videospieljahr zu verschaffen. Manche Publisher haben extremes Talent sich bei dieser Veranstaltung gut zu positionieren und so die Herzen der Gamer für die nächsten paar Monate zu erobern – doch auch das schützt sie keineswegs vor Kritik. Lasst uns einen Blick auf die diesjährigen Gewinner und Verlierer, und somit auch auf die schönsten Momente und Highlights der Electronic Entertainment Expo, werfen.

EA Games: Von Mannschaftssport zu Planetenkriegen

Dass sich Sportspiele bei E3-Pressekonferenzen nur mangelnder Beliebtheit erfreuen, ist kein Geheimnis. Das wüsste EA, wenn sie nur einen einzigen Blick in den Twitch-Chat werfen würden. Trotzdem hat sich der Publisher dafür entschieden ihre Show mit Sport zu eröffnen – welch grandiose Idee. Das bereits vor der Show angekündigte Need for Speed: Payback konnte auch nur minimal beeindrucken, denn selbst der peinliche Aussetzer von “YouTube Creator” Jesse Wellens kreierte mehr Buzz als die millionste Iteration des Rennspielklassikers.

Allein A Way Out durfte sich als kurzer Lichtblick zwischen dem üblichen EA-Einheitsbrei beweisen. In dem Couch-Co-Op-exklusiven Gefängnisausbruch muss man, wie sonst von Spielen wie Hitman gewohnt, ganz genau auf seine Umgebung achten um diese zu seinem Vorteil zu nutzen. Gerade im Splitscreen kommt das extrem authentisch rüber und ermöglicht taktischen Tiefgang durch gut kommunizierte Ablenkungsmanöver. Bloß das Charakter-Design lässt ein wenig zu wünschen übrig. Wenn sie schon das Konzept der Gebrüder Drake von Uncharted 4 klauen, muss dann einer der beiden wirklich wie eine hässliche Version von Nate aussehen?

Als Schlusslicht diente dieses Jahr Star Wars Battlefront II, welches nun den langerwünschten Singleplayer-Modus bietet. Von diesem gab es bei der Pressekonferenz bedauerlicherweise noch relativ wenig zu sehen, was erstaunlich ist, da das Spiel doch schon im November im Laden stehen soll. Stattdessen beendeten sie den Stream mit einem nahtlosen Übergang in eine 30-minütige Gameplay-Demo, die dann doch etwas zu sehr an das letzte Battlefront erinnerte.

Sorry EA, aber das könnt ihr besser. Nicht nur am Pacing hat es gemangelt, sondern auch an der Art und Weise der Präsentation. Ein schmieriger Andrew Wilson wurde nur vom absolut lustlosen Patrick Söderlund übertroffen, der uns mit gelangweiltem Blick weismachen wollte, wie aufregend und toll ihre Titel nicht seien. Das kann nicht mal der gratis Season Pass von Battlefront II retten.

Microsoft: Exklusiv für X.B.O.X.

Wie erwartet stand Microsofts Pressekonferenz ganz im Licht der neuen leistungsstarken Xbox, die mit dem Akronym Xbox One X tatsächlich zu den namentlichen Ursprüngen der Marke zurückkehrt: X Box One X. Der Arbeitstitel Project Scorpio ist somit endlich Geschichte und wir wissen nun genau was es mit Microsofts nächster Konsole auf sich hat. Besonders beeindruckend finde ich ihre kleinen Maße trotz der beachtenswerten Rechenleistung. Ob sich die Investition von 499 Euro lohnt, muss man für sich selbst entscheiden. Als Appetithappen gibt es erstes Material zu Forza Motorsport 7, mit dem allerdings zu rechnen war. Und sind wir uns mal ganz ehrlich: Sehen Rennspiele nicht heutzutage ohnehin fast immer großartig aus?

Viel Verschnaufpause gab es in den 90 Minuten nicht. Die meisten Spiele konnte ich gar nicht richtig wahrnehmen, da ihnen so wenig Zeit gewidmet wurde. Zu den Highlights zählte eindeutig BioWares neue IP Anthem, zu der erstes Gameplay gezeigt wurde. Unfassbar, dass EA dieses Privileg an Microsoft abgegeben hat, obwohl sie diese Art Content bei ihrer eigenen Pressekonferenz so sehr gebrauchen hätten können. Das Multiplayer-RPG sieht jedenfalls grandios aus und könnte eventuell sogar die Anschaffung einer Xbox One X rechtfertigen. In die Liste der optischen Perlen reiht sich Metro: Exodus ein, welches vier Jahre nach dem letzten Titel ein wesentliches grafisches Upgrade genießt.

Neben der bombastischen Gameplay-Premiere von Dragonball FighterZ feierte ich auch die Ankündigung des zweiten Teils von Ori and the Blind Forest. Auch Ori and the Will of Wisps wird wieder auf die Tränendrüse drücken und exklusiv für PC und Xbox One erscheinen. Die Freude der Fans wurde nur noch durch die Ankündigung der erweiterten Backwards Compatibility verstärkt, denn in Zukunft werden neben Xbox 360-Titeln auch originale Xbox-Klassiker auf Systemen der One-Family spielbar sein. Bis dahin kann man sich aber auch mit Cuphead retro fühlen, das nun endlich ein fixes Release-Datum hat.

Microsoft hat sich dieses Jahr auf das Wesentliche konzentriert, hat uns mit feiner Nischen-Hardware beliefert, war loyal gegenüber Xbox-Fans und hatte das Recht einige coole Third-Party-Trailer zu zeigen. Die Latte liegt hoch, Sony.

Bethesda: Kein Ruhestand für Skyrim

Auch wenn das Link-Outfit der Skyrim-Version für Nintendo Switch zugegebenermaßen ein echt witziger Gag war – Skyrim ist nun fast sechs Jahre alt und sollte endlich in Würde altern dürfen. Lasst es doch bitte endlich sterben und kümmert euch um The Elder Scrolls VI. Stattdessen kommt jetzt Skyrim-VR, was neben Doom VFR und Fallout 4 VR Bethesdas Schwerpunkt auf VRPGS unterstreicht.

Versteht mich bitte nicht falsch, aber ich hätte mich einfach auf mehr “richtig neue” Titel gefreut. Alternativ bekamen wir ein neues Wolfenstein, ein Fortsetzung zu The Evil Within und DLC zu Dishonored 2. Mein Highlight der Präsentation war ohne Zweifel der Cinematic Trailer zu The Evil Within 2. Das Cover zu Ordinary World von The Hit House ist einfach bemerkenswert und lässt die Vorfreude auf 13. Oktober ins Unermessliche wachsen.

Zusammengefasst kann man sagen, dass es sich für Europäer nicht gelohnt hat mitten in der Nacht aufzustehen um das vermeintliche Spektakel live zu verfolgen. Dafür können wir uns hoffentlich nächstes Jahr auf mehr Neuankündigungen freuen und uns bis dahin in unseren VR-Brillen verkriechen.

Ubisoft: Authentisches Emotionsfeuerwerk

Hätte jemand letzte Woche behauptet, dass Ubisoft 2017 die beste E3-Show abliefern würde, so hätte ich die Person vermutlich für verrückt erklärt. Mit den frühzeitigen Ankündigungen von Assassin’s Creed Origins, Mario + Rabbids und Far Cry 5 dachte ich erst, dass sie sich bereits vor der Messe viel Wind aus den Segeln genommen haben und so bei der eigentlichen Pressekonferenz große Überraschungen ausbleiben. Bei Ubisoft war es aber nicht unbedingt nur ausschlaggebend was sie präsentiert haben, sondern mit welchem ungespielten Enthusiasmus sie hinter der Sache standen. Unter anderem bewiesen sie auch mal wieder ihre Expertise in der Erstellung von atemberaubenden cinematischen Trailern. Auch wenn The Crew 2 keineswegs so aussehen wird, gefällt mir der Gedanke eines Rennspiels in der Welt des Blockbusters Inception.

Das neue Piratenspiel Skull and Bones ist definitiv eine Überraschung und baut auf einer von Ubisofts großen Stärken auf. Auch South Park hatte wieder einen Auftritt, welcher aber aufgrund der vielen Verschiebungen des Spiels zum Glück etwas kürzer ausfiel. Statt einer weiteren langatmigen Demonstration des Gameplays haben wir jetzt einen knackigen Teaser mit fixem Release-Datum, sowie die Ankündigung eines unheimlich lustigen Mobile-Games.

Ob Assassin’s Creed Origins neben Open-World-Hits wie Horizon Zero Dawn oder gar dem älteren The Witcher 3: Wild Hunt überzeugen kann, ist noch ungewiss. Aktuell bin ich noch sehr zwiegespalten, da der Protagonist Bayek charakterlich nicht besonders spannend wirkt. Ein anderer gezeigter Titel bildet dazu den krassen Gegenpol, denn mit Far Cry 5 konzentrieren sich die Entwickler erneut auf die große Stärke des Franchises: Einzigartige Bösewichte zur Schau zu stellen.

Bei Mario + Rabbids: Kingdom Battle bin ich mir leider auch noch sehr unsicher. So sehr ich mich gefreut habe, als Miyamoto auf die Stage kam, so verwirrt hat mich auch die Kombination eines taktischen RPGs à la Disgaea und XCOM mit den kindlichen Rabbids. Stärker könnten sich Zielgruppen gar nicht schlagen, aber vermutlich kam es unter anderen Umständen zu keiner Einigung zwischen Nintendo und Ubisoft. Noch diesen Sommer erfahren wir mehr.

Auch wenn der kommerzielle Erfolg vieler Titel noch in den Sternen steht: Ubisoft-CEO Yves Guillemot hat fantastisch durch den Abend geführt und scheint mit ganzem Herzen bei der Sache zu sein. Als dann schließlich Rayman-Erfinder Michel Ancel fast in Tränen ausbrach als er den Fans endlich Beyond Good & Evil 2 präsentieren durfte, war mir klar: Ubisoft hat die E3 2017 gewonnen.

PlayStation: 2016 remastered

Nachdem Ubisoft und Xbox so toll abgeliefert hatten, war ich guter Dinge, dass die diesjährige Messe zum Zeitpunkt der Sony-PK meine Erwartungen sprengen würde – selbst wenn PlayStation bloß solide nachlegt hätte. Doch dieses Jahr fühlte sich an wie eine abgespeckte Version der Konferenz vom Vorjahr. Es wurde fast das gleiche gezeigt, minus Hype-Titeln wie The Last of Us 2 und Death Stranding. Verschlimmert wurde die Präsentation nur durch das absurde Tempo, das PlayStation an den Tag legte. Platz für Entwickler war deswegen keiner und somit fühlte sich die gute Stunde eher wie eine Trailer-Show an, als eine vollwertige Pressekonferenz des Kalibers PlayStation.

Neben neuem Gameplay zu God of War bekamen wir mit Days Gone und Detroit: Become Human mehr von Titeln zu sehen, die sich schon seit geraumer Zeit in Entwicklung befinden. Trotzdem gibt es für beide Titel noch kein Release Date. Ich weiß nicht, wie viel ich noch zu den beiden Games sehen kann, bis sie mir absolut zum Hals raushängen. Zumindest Spidey und Insomniac enttäuschten nicht und haben mit erstem Gameplay zu Marvel’s Spider-Man absolut überzeugt.

Es ist echt schade, dass den Entwicklerstudios nicht die Zeit gegeben wurde ihr Werk selbst auf der großen Bühne zu präsentieren. Klar, die Show-Einlagen und die einzigartige Kulisse kommen beim Publikum besser an, doch ich fand es immer herzerwärmend zu sehen, wie sehr die Developer hinter ihren Projekten stehen. Viel wurde in den Live-Stream vor der Pressekonferenz ausgelagert, womit einige spannende Announcements unter dem Radar blieben. Unter anderem klingt das PlayLink-System vielversprechend, welches das gesellschaftliche Spielen per Smartphone ermöglicht und in 2017 noch mehrere Spiele, wie zum Beispiel den neuen Titel Hidden Agenda von den Until Dawn-Machern Supermassive unterstützt. Ich kann es kaum erwarten mich mit ein paar Freunden in dieses interaktive Abenteuer zu stürzen – vor allem weil ich Until Dawn auf die exakt selbe Weise gespielt habe.

Das Remake von Shadow of the Colossus ist natürlich extrem gut angekommen, schafft es aber nicht das schwache Herbst-Line-Up zu überschatten. Nach so einem erfolgreichen Frühling mit Exklusivtiteln wie Horizon Zero Dawn, Persona 5, Gravity Rush 2, Nier: Automata und Nioh kann es doch eigentlich nur bergab gehen.

Nintendo: Mario-Hype und Versprechungen

Mit Nintendos E3 2017 Spotlight wurde auch dieses Jahr wieder auf eine Aufzeichnung statt einer Live-Übertragung gesetzt. Alles was Pokémon betrifft hat sich Nintendo durch eine eigene Pokémon-Direct schon vorweggenommen.

Wirklich alles? Nein, denn nach dem Aufruhr des Internets wurde bestätigt, dass ein vollwertiges Pokémon-RPG für die Nintendo Switch in Arbeit sei. Von diesem werden wir aber laut Aussage der Entwickler im nächstem Jahr vermutlich noch gar nichts sehen. Dass es trotzdem jetzt schon angekündigt wurde ist cool, hyped mich aber nicht zu Tode. Genauso wenig wie das Logo von Metroid Prime 4, das zwar alle Fan-Wünsche erfüllt, aber ohne echtem Trailer dann doch etwas unbefriedigend wirkt.

Yoshi und Kirby finden ebenfalls ihren Weg auf die Switch, verlassen sich aber ein wenig zu sehr auf altbewährte Konzepte. Die beiden Trailer sind süß und knuffig, aber da fehlt dann doch der Mut zu Neuem. Dieser ist bei Mario vorhanden, denn die neue Spielmechanik hinterlässt durch ihre Unverbrauchtheit im Mario-Kosmos einen bleibenden Eindruck. Super Mario Odyssey wird sich vermutlich ohne Probleme zwischen Titeln wie Sunshine oder Galaxy einreihen und gilt jetzt schon für viele als der Knaller des Weihnachtsgeschäfts.

Nintendos Beitrag zur E3 2017 ist solide, aber ein perfekt-wirkendes Mario-Game und ein paar Logos regen bloß den Appetit zu mehr an. Trotzdem freut es mich, dass die Switch weiterhin ausgiebigen Support bekommt, und dass der japanische Entwickler sie so problemlos in sein Hardware-Line-Up integrieren konnte.

So ist sie nun also vorbei, die E3 2017. Dieses Jahr gab es viele Höhen und Tiefen, Enttäuschungen und Überraschungen – was sich auch in der weiten Range der Scores wiederspiegelt. Als Game of the Show kann man vermutlich Beyond Good & Evil 2 bezeichnen, das mit dem neuen Trailer wieder die Hoffnung in den Herzen der Ubi-Fans entfachte und jetzt schon Lust auf die nächste E3 macht.

Shinigaming

Wer ist eurer Meinung Gewinner der E3 2017, und welche Pressekonferenz hat euch am wenigsten gefallen? Welche Neuankündigung hyped ihr am meisten? Hinterlasst uns einen Kommentar auf Facebook, Twitter, oder gleich hier unter dem Post!

  • Liebt schwarzen Kaffee und Musik mit Schreierei. Ist Gründungsmitglied, aber trotzdem furchtbar schlecht in kompetitiven Spielen. Besitzt ein lebensgroßes Schlüsselschwert um die Welt vor herzlosen Reviews zu beschützen.

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