Prey im Review

Sei kein Opfer!

Ich bin mittlerweile sehr selektiv was die Spiele angeht, für die ich mir Zeit nehme. Doch trotz akutem Zeitmangel und eigentlich fehlender Motivation, was für mich normalerweise DER Driving Factor ist, wusste ich dass ich Prey nicht vertagen darf. Eindeutige Influences von System Shock und BioShock sind sofort ersichtlich, von der Art der Narration bis hin zu den behandelten Themen. Diese ikonischen Titel sind nicht leicht zu replizieren und schlechte Versuche einer Kopie sind in der Branche mehr als häufig anzutreffen. Liefert Prey eine eigenständige Leistung oder fällt es dem Plagiarismus zum Opfer?

Wake up, Morgan!

Der Spieler schlüpft in die Rolle von Morgan Yu, der sich nach seinem sehr imposanten Arbeitsweg per Helicopter einem psychologischen Test unterziehen soll. Doch alles kommt anders als erwartet und schnell stellt sich heraus, dass man vielleicht nicht allem Glauben schenken sollte, was man sieht. Im Verlauf des Spiels werden verschiedenste kritische Themen behandelt: Was unterscheidet uns von anderen Organismen? Was macht uns zu Menschen? Durch alternative History und einer Architektur, die an Rapture erinnert, aber mit einem futuristischen Hauch vermischt ist, schafft es Prey eine Welt zu bauen, die sehr einzigartig ist und perfekt zum Spiel passt. Ähnlich wie bei BioShock wird ein großer Teil der Geschichte über Audiologs, Notizen und andere Nachrichten erzählt, wobei der Fokus hier, zu Gute des Spielflusses, eher Richtung traditionellem Storytelling geshiftet wurde. So hat man selten das Gefühl nicht voll im Bilde zu sein.

Prop Hunt

Die einzigartigsten Gegner, die ihr in Prey antreffen werdet, sind Mimics. Der Name ist Programm, denn sie können sich als Gegenstände ausgeben und euch so überraschen, wenn ihr es am wenigsten erwartet. Obwohl ich kein Fan von Jump-Scares bin, passt das Konzept hier einfach zu gut und hilft die bedrückende Atmosphäre weiter zu untermalen. Doch auch die anderen Typhons werden euch stets auf Trab halten, während ihr die Welt erkundet. Was mir besonders gefallen hat, war der non-lineare Ablauf – es gibt pausenlos optionale Missionen. Oft kommt man auch nach langem Erkunden zu dem Punkt, wo man vor Stunden losgezogen ist. So ein Full Circle macht eine Map viel glaubhafter und gibt dem ganzen einen Flair, der an Metroid erinnert. Es ist aber wichtig, dass man sich nicht auf jede Nebenmission konzentriert, denn manche wirken lösbar, sind aber eigentlich erst für einen späteren Zeitpunkt gedacht. So braucht man manchmal erst eine gewisse Keycard, wobei nicht kommuniziert wird dass eben diese sich ganz woanders befindet. Es ist kein Problem sich in solchen Fällen zunächst auf die Hauptmission zu konzentrieren, denn die offene und verwobene Levelstruktur ermöglicht fast immer Backtracking.

Weg mit Gott!

Prey forciert die Entscheidungsfreiheiten des Spieler, sowohl bezogen auf die individuelle Spielweise als auch auf die Charakterentwicklung. Die meisten Ziele haben mehrere Lösungwege: Statt einen Türcode herauszufinden, kann man das Terminal hacken, oder ein Fenster einschlagen um so die Türe über einen Computerbildschirm zu öffnen. Sogar eine Armbrust für Schaumstoffpfeile gibt es, die noch unkonventionellere Strategien ermöglichen. Sogenannte Neuromods dienen als Skillpunkte, die aber auch tief in die Story verwoben sind. Diese ermöglichen es Morgan Fähigkeiten zu verbessern und geben euch die Möglichkeit euren Fokus selber zu legen. Wollt ihr lieber hacken, schleichen und Gegner im Nahkampf ausschalten, oder doch lieber mit mehr HP und Schusswaffen spielen? Dazu kommen Crafting- und Waffenupgrade-Systeme, die euch eure Ressourcen selber managen lassen. Gameplay-technisch bleibt hier sehr wenig zu wünschen übrig, was eine ausgezeichnete Grundlage bietet das Spiel und damit die tolle Story so vielen Menschen wie möglich zugänglich zu machen.

Nicht nur eine Kopie

Es kann leicht passieren, dass Developer eine Inspiration zu stark berücksichtigen und so vergessen etwas eigenes zu bieten. Doch Prey borgt sich die besten Elemente aus und bietet darüber hinaus eine interessante Welt, großartiges Leveldesign und genug Spieloptionen um jede Gamer-Herz höher schlagen zu lassen. Jeder, der keine schwachen Nerven hat, sollte einen näheren Blick riskieren – auch wenn nicht alles so erscheint, wie anfangs angenommen.

Was uns gefallen hat:

  • Grandioser Levelaufbau
  • Individuelle Spielmöglichkeiten
  • Tolles Artdesign
  • Einbeziehende Story

Was uns nicht so gut gefallen hat:

  • Zu viele Keycards
  • Unwissentlich unlösbare Missionen
  • Jump scares will be jump scares

Shinigaming

Für diesen Artikel wurde uns von Bethesda ein Review-Code für Xbox One zur Verfügung gestellt. Was haltet ihr von der alternativen History in Prey? Für welche Art zu spielen werdet ihr euch entscheiden? Hinterlasst uns einen Kommentar auf FacebookTwitter, oder gleich hier unter dem Post!

  • Leidenschaftlicher Pokémon-Breeder, der in jedem Spiel einen Exploit findet. Führt gern hitzige Diskussionen über "wichtige" Themen. Der Felser in der Brandung unserer Redaktion.

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