Mass Effect: Andromeda im Review

Mass-iv gut oder andromediocre?

Loslassen ist oft nicht einfach – etwas geliebtes zu Ende gehen sehen. Soll man an den Erinnerung anhalten, oder sich nach mehr sehnen? Mass Effect ist eine Gaming-Serie mit der ich einiges verbinde. Durch sie habe ich Bioware lieben gelernt, mein persönlicher Pinnacle der westlichen Rollenspielentwickler. Obwohl Shepard fort ist verspricht mir Mass Effect: Andromeda mehr dieser faszinierenden Welt, die mir so viel bedeutet.

Space Odyssey statt Space Opera

Ein Setting kann ein Spiel auf viele Wege beeinflussen. Es kann den Fokus der Story einnehmen oder lediglich den Spielplatz dafür bieten. Die ursprüngliche Mass Effect-Trilogie hat damals viele kleine Geschichten erzählt, die nur peripher damit zu tun hatten, dass es um Space Travel ging – Cowboy Bebop lässt grüßen. Doch Andromeda ist anders, denn es setzt auf eine Geschichte über die Erkundung der Tiefen des Alls, auf der Suche einer neuen Heimat. Das macht es nicht per se zu einem schlechten Spiel, aber leider zu einem schlechteren Mass Effect. Andromeda zu erkunden löst aber dennoch viele andere feuchtfröhliche Gefühle aus. Raumfahrt ist halt doch etwas Schönes.

Rise and shine

Über 600 Jahre sind seit Shepards Rebellion gegen die Reaper vergangen, Zeit die der Spieler in Cryo Sleep verbracht hat, um nun im Andromeda-System nach überlebensfähigen Planeten zu suchen. Erste Kontakte mit anderen Lebensformen verlaufen sehr dürftig und dazu kommt, dass die Quality of Life weniger rosig erscheint als vor 600 Jahren angenommen – Prognosen halt. Es gilt nun dem Protagonisten, Ryder, neue Planeten zu entdecken und dessen Lebensqualität zu erhöhen. Mass Effect: Andromeda bietet weniger aber dafür größere Gebiete als seine Vorgänger und setzt damit erneut den Fokus etwas falsch. Erkundung ist ja ganz schön, aber die Balance zwischen Main- und Neben-Quest ist ein Problem mit dem Bioware schon länger kämpft. Manche der Side-Missionen wirken eher wie Filler, die die großen Areale noch mühsamer erscheinen lassen. Im Endeffekt ist man meistens froh, wenn man ein Gebiet endlich abgeschlossen hat und sich seinen wohlverdienten Tapetenwechsel holen kann. Was schade ist, denn manche Umgebungen würden um einiges eindrucksvoller wirken, wenn man sie nicht buchstäblich tottreten müsste.

Mess Effect

Mass Effect: Andromeda wirkt technisch leider nicht ganz up-to-date. Ich persönlich hatte kaum Probleme mit Bugs, aber die Gesichtsanimationen im Allgemeinen lassen sehr zu wünschen übrig. Ist zwar nicht gamebreaking, aber die Immersion leidet teils sehr. Dafür finde ich die Battle-Animationen sehr gelungen – sogar verschiedenste Arten auszuweichen haben eigene Effekte abhängig vom ausgewählten Profil. Hier sieht man doch, dass man auf einer neueren Konsolengeneration spielt. Mass Effect 3 seiner Zeit hatte nicht einmal genug Speicher für das Wegstecken von Waffen. Die Characters sind zwar sehr sympathisch, stehen aber doch leicht im Schatten der vielen großartigen Squad Member aus den Vorgängern. Ryder selbst ist ein anderes Thema, denn der Protagonist hat kaum Persönlichkeit. Es hilft nicht, dass es keine Paragon- oder Renegade-Punkte mehr gibt, sprich keine Wahl zwischen Gut oder Böse. Das führt dazu, dass die meisten “Entscheidungsmöglichkeiten” meist darin liegen, ob man eine Quest annimmt oder nicht. Somit sitzt man zwangsläufig mit dem Gutmenschen, der Ryder, ist fest.

Pew pew

Es gibt allerdings einen sehr wichtigen Aspekt in dem Mass Effect: Andromeda seinem Namen alle Ehre macht, denn das Kampfsystem ist schnell, responsive und macht einfach unheimlich viel Spaß. Noch nie zuvor gab es die Möglichkeiten das Mass-Effect-Spielerlebnis so sehr auf die Eigenheiten des Spielers zu trimmen. Unabhängig von der Startklasse können alle Fähigkeiten erlernt werden und ab einer gewissen Anzahl investierter Skillpunkte schaltet man Profile frei, die Buffs bringen und frei gewechselt werden können. Durch die potentiell sehr hohe Anzahl an verfügbaren Fähigkeiten wurde allerdings darauf verzichtet alle im Radialmenü abzubilden, was es somit eher zu einem Waffenrad macht. Loadouts sollen dieses Manko überwinden, doch die Umsetzung ist ein wenig holprig. Wechselt man mittels dieser Funktion Skills, gehen alle auf Cooldown, unabhängig davon ob sie schon vorher ausgerüstet waren, sogar wenn effektiv nur das Profil gewechselt wurde. Ändert man allerdings nur einen Skill über das normale Menü, kann dieser sofort verwendet werden, was den langen und umständlichen Weg zur klar besseren Option macht – sehr fragwürdige Designentscheidung. Das allerdings nur als kleine Anekdote, denn overall bietet Andromeda kaum Fläche für Kritik in Sachen Gameplay.

Kein hoffnungsloser Fall

Mass Effect: Andromeda macht viele Dinge falsch, zumindest für ein Mass Effect. Doch bei so einem hohen Standard ist es schwer mitzuhalten. Macht es das zu einem schlechten Spiel? Die Antwort ist schlicht und ergreifend: Nein! Die Szenerie kann so schön sein, die Feuergefechte so spannend und die Nebencharaktere so unterhaltsam. Leider sind all die Probleme die es aufweist genau die Aspekte in denen Andromeda versucht hat anders zu sein. Je mehr ich mich vertiefe, desto mehr wünschte ich stattdessen die ursprüngliche Trilogie zu spielen. Jedoch kann aus Misserfolg Innovation entstehen und so hoffe ich, dass Bioware sein Licht wieder findet.

Was uns gefallen hat:

  • Großartiger Combat
  • Interessante Squad Member
  • Komplexe Charakterspezialisierung

Was uns nicht so gut gefallen hat:

  • Ryder lässt zu Wünschen übrig
  • Kaum Entscheidungsmöglichkeiten
  • Technische Mängel

Shinigaming

Für diesen Artikel wurde uns von EA ein Review-Code für Xbox One zur Verfügung gestellt. Ist Andromeda euer erster Kontakt mit Mass Effect? Hinterlasst uns einen Kommentar auf FacebookTwitter, oder gleich hier unter dem Post!

  • Leidenschaftlicher Pokémon-Breeder, der in jedem Spiel einen Exploit findet. Führt gern hitzige Diskussionen über "wichtige" Themen. Der Felser in der Brandung unserer Redaktion.

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