Horizon Zero Dawn im Review

In einem Land nach unserer Zeit

Hauptsächlich bekannt für die Killzone-Serie galt das niederländische Studio Guerilla Games noch bis vor Kurzem als Veteran in Sachen moderner First-Person-Shooter. Umso überraschender war es, dass die Entwickler einen komplett neuen Weg einschlugen und auf der E3 2015 ihr neues Projekt Horizon Zero Dawn ankündigten, welches altbewährtes Gameplay über den Haufen wirft und mit einer dystopischen, voll erkundbaren Welt trumpfen soll. Kann Horizon mit preisgekrönten Exclusives wie Uncharted 4 mithalten und sich als starke neue PlayStation-IP beweisen?

Zivilisation war gestern

Horizon Zero Dawn spielt etwa 1000 Jahre in der Zukunft. Was der Menschheit genau widerfahren ist, ist dem Spieler zunächst ungewiss. Sicher ist nur, dass die Zivilisation wie wir sie kennen kollabiert ist, und die Erdbevölkerung jetzt auf dem technologischen Niveau des Maja-Zeitalters zusammenlebt. Ganz ist der technologische Fortschritt jedoch nicht abhanden gekommen, da die Stämme mit dinosaurierartigen Metallwesen ko-exisiteren, was für ein einzigartiges Setting sorgt. Im Mittelpunkt ist die aussätzige Aloy, die ihr ganzes Leben lang trainiert um sich in einer Prüfung den Weg in die Gesellschaft zurückzuverdienen. Horizon Zero Dawn setzt auf eine klassische Auserwähltengeschichte, welche sich aber nicht zu stark an üblichen Mustern bedient. Aloy ist keine typische Heldin, aber auch keine Anti-Heldin wie beispielsweise Kratos aus God of War. Man fühlt mit ihr von der ersten Sekunde an mit, was durchaus auf die wunderbare Inszenierung zurückzuführen ist. Die rätselhafte Geschichte und ihre Charaktere wirken sehr authentisch, fesseln, und bieten eine gute Grundlage für politische und moralische Diskussionen über etwaige Parallelen zu unserer Welt.

Roboterjagd vom Feinsten

Müsste man Horizon mit anderen großen Videospielserien vergleichen, könnte man meinen, es käme aus dem Hause Ubisoft. In Sachen Crafting und Setting ähnelt es einem Far Cry Primal aus der dritten Person, kommt aber auch nicht um einen Vergleich mit einem Assassin’s Creed III herum, wenn man sich den Spielaufbau und Aloys Bewegungen näher ansieht. Durch Aloys Fokus – das einzige technische Gerät, das sie besitzt – kann man Parallelen zu The Witcher 3 oder dem Detektivmodus der Batman-Serie ziehen, wo das Erkennen von Spuren ebenfalls eine prominente Rolle spielt. Ein Alleinstellungsmerkmal sind allerdings die Kämpfe mit der Vielzahl von gewaltigen Maschinen, die zu jeder Zeit eine Gefahr darstellen. Keine Sekunde kann man in der riesigen, freien Welt seine Umgebung außer Acht lassen und jeder Angriff muss bis ins kleinste Detail geplant sein. Dafür sind die Belohnungen umso größer, wenn man letztendlich einen riesigen Robo-Dino geschickt mit dem Einsatz von Fallen und Spezialmunition in die Knie zwingt. Allein der Kampf gegen Menschen macht im Verhältnis weniger Spaß, da sich Nahkämpfe ohne Möglichkeit zum Anvisieren sehr clunky spielen.

Once you go Pro, you never go back

Dank Guerilla Games’ bildhübscher Decima-Engine sieht Horizon Zero Dawn absolut atemberaubend aus. Noch nie habe ich in einem Open-World-Game derartige Feinheiten in den Gesichtsanimationen und Hauttexturen vermerkt. Auch die Wetter- und Lichteffekte laden zum Staunen ein – selbst wenn es das Spiel oft mit dem Wechseln der Wettergegebenheiten übertreibt. Aber hey – hätte ich so ein grafisches Meisterwerk geschaffen, würde ich auch angeben wollen. Eine Scheibe drauf legt dann natürlich noch die PlayStation 4 Pro, welche in hochgerechnetem 4K und mit HDR zum ersten Mal so richtig genutzt wird und alle Reserven aus der vielfältigen Spielwelt lockt. Die Schnellreisefunktion ist in Horizon Zero Dawn nur unter dem Einsatz von Ressourcen möglich, was noch einen Grund mehr bietet um auf Erkundungsreise zu gehen und unterwegs ein paar Kräuter und Ressourcen für etwaige Upgrades einzusammeln. Perfekt untermalt wird die verwilderte Umgebung durch den einzigartigen Soundtrack, der aufwändigen orchestralen Kinoproduktionen der Klasse Hans Zimmer in keiner Weise nachsteht.

Sonys Open-World-Flagschiff

Horizon Zero Dawn ist vermutlich Sonys ambitioniertestes Projekt seit dem Launch der PlayStation 4. Das neue Aushängeschild aus dem Hause Guerilla Games klaut sich zwar viele Elemente von vergleichbaren Titeln, vereint sie aber in einem unfassbar schlüssigen und authentischen Paket. Wer auf Cinematik und makelloses Storytelling setzt, aber gleichzeitig auf eine offene Spielwelt nicht verzichten will, kommt um Horizon nicht herum.

Was uns gefallen hat:

  • Eindrucksvolle Grafikleistung
  • Sensationeller Soundtrack
  • Unverbrauchtes Setting
  • Taktische Vielfalt

Was uns nicht so gut gefallen hat:

  • Unausgereifter Nahkampf
  • Ständige Wetterwechsel

Shinigaming

Für diesen Artikel wurde uns von Sony ein Review-Code für PlayStation 4 zur Verfügung gestellt. Wie findet ihr das Setting von Horizon? Würdet ihr euch über eine Fortsetzung freuen? Hinterlasst uns einen Kommentar auf FacebookTwitter, oder gleich hier unter dem Post!

  • Liebt schwarzen Kaffee und Musik mit Schreierei. Ist Gründungsmitglied, aber trotzdem furchtbar schlecht in kompetitiven Spielen. Besitzt ein lebensgroßes Schlüsselschwert um die Welt vor herzlosen Reviews zu beschützen.

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