For Honor im Review

Ehrenhafter Zweikampf

Wer schon immer mal wissen wollte, welcher Kriegertyp am meisten Badass ist, hat nun endlich die Chance, dem auf die Spur zu gehen. For Honor ignoriert historische Timelines und lässt Ritter, Wikinger und Samurai in gnadenlosen Kämpfen aufeinandertreffen. Mit dabei ist ein ausgesprochen realitätsnahes Kampfsystem, welches dem sinnlosen Button-Mashen das Ende verkündet. Kann Ubisoft mit For Honor dem einfältigen Metzeln abschwören und bestehende Nahkampfmechaniken revolutionieren?

Warum hast du eigentlich eine Maske auf?

Als Ubisoft For Honor mit seinem extravaganten Setting angekündigt hat, war ich erst skeptisch aber auch gespannt, da ich mir nur schwer vorstellen konnte, wie man Ritter, Wikinger und Samurai unter einen Hut bringen soll. Nachdem ich mir den Story- bzw. Einzelspieler-Modus vorgenommen habe, musste ich dann doch feststellen, dass meine Skepsis absolut berechtigt war. Der Plot ist etwas plump, repetitiv, unzugänglich und dient eigentlich nur als Tutorial um den Spielern verschiedene Klassen und Kämpfer näherzubringen. Da man kein eigentliches Gesicht zu den spielbaren Charakteren hat, habe ich auch keinerlei Beziehung zu den Figuren oder deren Geschichte aufgebaut. Man hätte durchaus mehr aus der unüblichen Kreuzung von Kriegern zaubern können – die Gelegenheit haben die Entwickler aber leider verpasst und haben das Konzept für sich sprechen lassen. Zu der emotionalen Ferne kommt noch, dass man so gut wie gar nicht mit seiner Umgebung interagieren kann, obwohl For Honors Schauplätze definitiv wunderschön kreiert und vor allem einladend sind. Pro Kapitel gibt es lediglich eine Art von Objekt auf das man in For Honors Welt Einfluss hat. Neben dem Kaputthauen von Fässern hatte ich eigentlich sonst nichts anderes zu tun als meinen Gegnern den Gar auszumachen – und das wurde nach kurzer Zeit ziemlich öde.

Server im Sparbetrieb

Man könnte meinen, For Honor macht den misslungenen Einzelspieler-Modus durch den Multiplayer wett. Doch auch hier hat man mit einigen Enttäuschungen zu rechnen. Das Erste, das man sich von einem vorwiegenden Online-Game erwartet, sind stabile Server. Dieses Kriterium erfüllt For Honor leider nicht, da Ubisoft im Jahr 2017 immer noch auf eine P2P-Connection setzt. Das heißt, dass sie keine eigenen Server zur Verfügung stellen, und der Spieler als Host dient. Selbstverständlich führt das dann zu Problemen, sobald dieser Spieler das Game verlässt – und das passiert bei For Honors Frustlevel ziemlich häufig. Liefert man sich nämlich Mehrspieler-Duelle, sind diese in dem Moment entschieden, sobald ein Team in der Überzahl ist. Dass ein Spiel, dessen Kampfsystem eigentlich relativ ausgeklügelt und fordernd ist, dann auf Quantität statt Qualität setzt, hat mich nicht nur einmal dazu verlockt aus dem Spiel zu droppen und meine unfairen Mitspieler mit einem äußerst nervigen Ladescreen zu bestrafen. Der Dominion-Mode, in dem man zu viert Zonen einnehmen muss, ist da schon weit interessanter. Analog zu Creeps aus MOBAs helfen schwache Krieger beide Seiten zu balancen und Rückzugsorte zu gewähren, was meist in fairen und ausgeglichenen Kämpfen mit einer Vielzahl von taktischen Entscheidungen resultiert.

Ein ehrenhafter Kampf

Der Aspekt, bei dem For Honor etwas Neues und Spannendes liefert, ist definitiv sein Kampfsystem. Man hat die Möglichkeit gegnerische Angriffe entweder von links, rechts oder von oben zu parieren, was unter anderem auch Stamina regeneriert. Richtig angewendetes Blocken und Angreifen sind somit essentiell, um Zweikämpfe zu gewinnen. Schnelligkeit und Kraft hängen allerdings vom ausgewählten Charakter ab. Auch wenn For Honors Kampfsystem relativ einfach zu verstehen sein mag, lässt es einem jedoch viel Spielraum zur Perfektion. Egal ob mit der Axt eines Wikingers, dem Zweihänder eine Ritters, oder dem Katana eines Samurais – was anfangs vielleicht simpel erscheint, kann schnell zu einer hochkomplexen Kampfkunst werden. Gerade beim Multiplayer-Modus macht das beschriebene Gameplay unglaublich viel Spaß – auch wenn der Spaß schnell vorbei sein kann, sobald man in der Unterzahl ist. Eins gegen eins erlaubt er den Spielern dennoch sich epische Duelle in atemberaubenden Schlachtfeldern zu liefern. Der dazu perfekt abgestimmte Soundtrack setzt das Ganze gleich doppelt so gut in Szene.

Mehr Konzept als Spiel

For Honor macht in in Sachen Kampfsystem alles richtig und erlaubt viel Raum für Taktik und Skill. Leider lässt das zugehörige Gesamtpaket großteils zu wünschen übrig und versalzt die Suppe mit einem Story-Modus, der eher einem ausgedehnten Tutorial gleicht, und einem Haufen unkluger Multiplayer-Entscheidungen. Wer jedoch Spaß an realitätsnahem Schwertkampf und Mehrspielerkonfrontationen hat, kann mit dem Game trotzdem auf seine Kosten kommen.

Was uns gefallen hat:

  • Eindrucksvolle Schlachtfelder
  • Revolutionäres Kampfsystem

Was uns nicht so gut gefallen hat:

  • Instabiler Multiplayer
  • Repetitiver Story-Mous
  • Interaktionslose Umgebung

Shinigaming

Für diesen Artikel wurde uns von Ubisoft ein Review-Muster für PlayStation 4 zur Verfügung gestellt. Was haltet ihr von For Honors Multiplayer? Wie denkt ihr über die unterschiedlichen Klassen? Hinterlasst uns einen Kommentar auf FacebookTwitter, oder gleich hier unter dem Post!

  • Quotenfrau mit einer ungesunden Obsession für koreanische Musik, Essen und Fernsehserien. Liebt Fighting-Games und JRPGs. Besitzt ein lebendiges Evoli, und ist wahrscheinlich der größte Tollpatsch Mitteleuropas.

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