Nioh im Review

Dark Souls im Kimono

Gleich neben dem Haus, in dem From Software seine Kinder Dark Souls und Bloodborne auf eine etwas fragwürdige und strenge Weise aufgezogen hat, lebt eine Familie namens Koei Tecmo. Die Kinder dieser Familie sind alle japanischer Abstammung und gelten als Außenseiter. Doch eines wirkt bei genauerem Betrachten irgendwie anders. Wer die beiden Familien und ihre Geschichte kennt, merkt sofort, dass Mama Koei da wohl eine Affäre hatte. Das Resultat ist Sohn Nioh, der seine knallharten Souls-Wurzeln nicht abstreiten kann. Japano-Fans und Märtyrer können sich also über eine weitere PS4-exklusive Episode des Leidens freuen.

Prince William?

Nioh verspricht mit seinem Setting viel. Es geht um den Engländer William, den einzigen weißen Samurai der japanischen Geschichte. Nach seinem Gefängnisaufenthalt im Tower of London macht er sich auf den Weg in den Osten, und lernt dort den Weg des Schwertes – oder den einer der fünf anderen japanischen Waffen, die ihr auswählt. Seine westlichen Wurzeln lässt William schnell hinter sich und gibt sich den unzähligen Künsten der Samurai hin, um gegen Yokai, böse Geister, zu kämpfen. Team Ninja hat mit Nioh eine richtig fette Geschichte aufgegriffen, mit der man sich aber auch sehr gut nebenbei berieseln lassen kann, falls kein Interesse zu japanischer Mythologie besteht. Mir hat es jedenfalls gefallen mit ein bisschen mehr Story als üblich konfrontiert zu werden, und nebenbei über die Geschichte und die Kultur des Landes zu erfahren.

Don’t call me ugly

Wie schon vorher angedeutet, lässt sich nicht abstreiten, woher der Einfluss auf das Gameplay kam. Man sammelt so etwas wie Seelen, betet an Schreinen, und wenn man stirbt, muss man zum Ort des Todes zurück, um die gesammelte Erfahrung nicht zu verlieren. Ich sage es ganz straight forward: Nioh ist der kleine hässliche Bruder von Dark Souls. Das große Geschwisterlein mag zwar auch keine Augenweide sein, aber dermaßen schmutzige Texturen habe ich zuletzt auf der PlayStation 3 gesehen. Bei allen anderen Spielen würde ich sagen, dass es schlimm wäre, schlechter als das Vorbild auszusehen. Bei der Souls-Reihe liegt der Fokus aber zum Glück woanders. Selbst ohne grafische Wunder wissen diese Titel wie man Spielerherzen zum Pochen bringt und den letzten Funken Ehrgeiz aus deren Fingern kitzelt.

Alles von vorne

Was Dark Souls und Bloodborne so toll macht, ist, wie sich die Spielwelt nach und nach dem Charakter erschließt. Türen, die man in den ersten paar Minuten des Spiels entdeckt, öffnen sich nach mehreren Stunden, und plötzlich lernt man Zusammenhänge, und spürt die Relation der fiktiven Welt, in der man sich befindet. Wenig Spiele können das gut, und gerade deswegen ist es etwas schade, dass Nioh diese Effekte zwar auf einer etwas kleineren Skala bietet, aber letztendlich die Level nicht zusammenhängen. Man spielt auf Missionsbasis, was heißt, dass man in regelmäßigen Abständen Location wechselt. Will man in eine Welt zurückkehren, um beispielsweise ein vergessenes Item zu sammeln, verliert man Schlüssel und muss bereits geöffnete Wege neu erspielen. Andererseits gibt der Einsatz zusammenhangloser Areale der Story mehr Freiheit und lässt somit auch mehr Schauplätze zu. Diese sind auch sehr stark von der japanischen Sengoku-Zeit geprägt, was eine willkommene Abwechslung zu den üblichen mittelalterlichen Dungeons von Rollenspielen ist.

Die freundlichen Kodama

Verliebt habe ich mich aber nicht nur in das Gameplay und den Drang immer besser zu werden. Die sammelbaren Kodama sind definitiv das Hightlight des Spiels. Es gilt sie in den Levels verstreut zu finden und sie heil zum Schrein zurückzuführen. Auf dem machen die kleinen grünen Geister dann superhart Party und feiern William mit Winken und Rufen, auch wenn er nur zum Rasten oder Speichern zum Schrein zurückkehrt. Versammeln sich mehr Kodama am Schrein, so kann man sich bessere Segen auferlegen lassen und erhält beispielsweise bessere Drop-Chancen auf Waffen oder generell mehr Erfahrung. Oft habe ich mich dabei erwischt alles stehen und liegen zu lassen, nur um zum nächsten Kodama zu eilen – selbst wenn gerade wahnsinnig gute Waffen am Boden lagen, und ich gerade mit 5 HP den letzten Schlag des Gegners überlebt habe.

Besser gut geklaut als schlecht erfunden

Wer sich selbst hasst, wird Nioh lieben. Wie von der Souls-Serie gewohnt, kann man sich unfassbar gut in erbarmungslosen Kämpfen verlieren und kommt in den Rausch des Entdecken und Verbessern. Grafisch mag das Spiel zwar hinter seiner Inspirationsquelle liegen, kann das aber durch ein etwas flotteres Kampfsystem und vielfältige Spielstile getrost wettmachen. Sterben ist toll, und das werdet ihr in Nioh verdammt oft.

Was uns gefallen hat:

  • Authentisches Samurai-Setting
  • Umfassendes Kampfsystem
  • Angenehme Menge Story
  • Sammelbare Schreingeister

Was uns nicht so gut gefallen hat:

  • Grafisch plump
  • Abgegrenzte Areale

Shinigaming

 

Für diesen Artikel wurde uns von Sony ein Review-Code für PlayStation 4 zur Verfügung gestellt. Was haltet ihr von Niohs Setting? Wie denkt ihr über Souls-Klone? Hinterlasst uns einen Kommentar auf FacebookTwitter, oder gleich hier unter dem Post!

  • Liebt schwarzen Kaffee und Musik mit Schreierei. Ist Gründungsmitglied, aber trotzdem furchtbar schlecht in kompetitiven Spielen. Besitzt ein lebensgroßes Schlüsselschwert um die Welt vor herzlosen Reviews zu beschützen.

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