Resident Evil VII: Biohazard im Review

Zurück zum Survival-Horror

Wenn man auf die Anfänge des Horror-Genres in der Videospielwelt zurückblickt, nimmt Resident Evil meist einen ganz besonderen Platz in den Herzen der Spieler ein. Damals konnte das Franchise noch mit Gruselfaktor und Rätseleinlagen punkten, war aber dann nach und nach mehr von Action-Elementen und Schießereien geprägt. Mit dem siebten Teil der Reihe macht Capcom eine 180°-Wendung, und kehrt nach vielen Jahren der Kritik zu den Ursprüngen der Serie zurück.

Meet the Bakers

Klassische Zombies waren gestern. In Resident Evil VII geht es um die Familie Baker, welche in ihrem ländlichen Anwesen schon so einige Personen spurlos verschwinden hat lassen. Zu den Glücklichen zählt auch Ethans Freundin Mia, die mithilfe eines Videotapes extra noch einen Aufruf aussendet, in dem sie darauf besteht, dass man nicht nach ihr suchen soll. Natürlich will Ethan seine große Liebe nicht aufgeben und macht sich ohne zu zögern auf den Weg zur Baker-Mansion. Sofort nach dem Eintreffen ist klar – die düstere Atmosphäre und die allgegenwärtige Verwesung ziehen einen in ihren Bann. Ich persönlich verspürte ja einen starken Texas Chain Saw Massacre-Vibe, was neben der erstmalig verwendeten First-Person-Perspektive massig frischen Wind in die Serie bringt.

Horror aus nächster Nähe

Der Perspektivenwechsel hat aber nicht nur den Grund ein höheres Level an Immersion zu erreichen. Diese Designentscheidung wurde vor allem auch wegen der Einbindung von Virtual Reality getroffen. Erstmalig ist ein Triple-A-Game sowohl komplett in VR als auch gänzlich ohne Brille spielbar. Wer auf die virtuelle Realität verzichtet, hat allerdings den Vorteil viel bessere Grafik zu genießen. Wie gewohnt verliert man in VR einige Bildpunkte und dadurch spürbar an Schärfe. Vor allem die Bildränder weisen ein leichtes Flackern auf, was aber nach längerem Spielen kaum noch auffällt. Ein ideales Spiel für VR ist Resident Evil VII leider meiner Meinung nach trotzdem nicht. Selbst mit den richtigen Sensibilitätseinstellungen hatte ich ernste Probleme, meinen Magen bei Laune zu halten. Ebenso waren Cutscenes sehr seltsam in den Spielablauf integriert, was nicht selten zu gewaltiger Orientierungslosigkeit geführt hat.

Kämpfe, die die Nerven rauben

Dass die Entscheidung gegen die VR-Version des Spiels die richtige war, wurde mir bereits beim ersten Bosskampf klar. Nach altbewährtem Videospielprinzip sind diese nämlich knallhart, was in Kombination mit dem sonst auch sehr klassischen Design äußerst gut ins Konzept passt. Es erfordert viel taktisches Timing und raffiniertes Ausweichen, um zwischen den Attacken der Gegner Schaden auszuteilen und ein paar Schläge zu landen. Da mir durch die eher träge Steuerung schon beim normalen Spielen der Kämpfe leicht schwindlig wurde, weiß ich nicht, wie es Leute bewerkstelligen wollen, Resident Evil VII komplett in VR durchzuspielen. Fakt ist allerdings: Die Bosskämpfe sind die Highlights des Spiels, und ließen mich an alte Zeiten zurückdenken, als Videospiele außer Dark Souls noch richtig schwer waren.

Was nehme ich mit?

Doch es ist nicht nur das Gefühl, das einem nach einem überwundenen Bosskampf überkommt, der eine gefühlte Stunde zu viel Zeit in Anspruch genommen hat. Das Schönste an Resident Evil VII ist, wie sich die Welt einem nach und nach erschließt. Von Anfang an steht man vor verschlossenen Türen und rätselt sich von Raum zu Raum, um mehr und mehr Schlüssel zu finden und neue Waffen und Hilfsmittel zu erlangen. Aber nicht immer kann man einfach auf Lust und Laune drauflos looten – das Inventar ist knapp, und so muss man jederzeit viel Überlegung investieren, was man wirklich benötigt, um den nächsten Abschnitt zu überleben. Nach etwa zehn Stunden offenbarte sich mir auch der letzte Abschnitt des riesigen Baker-Anwesens, was nicht unbedingt für eine lange Spieldauer spricht – vor allem weil ich bei den Bossen so kläglich versagt habe.

Back to the roots

Mit Resident Evil VII hat es Capcom geschafft einen perfekten Hybrid aus Altem und Neuem zu kreieren. Die Rückkehr zum atmosphärischen Horror lässt das Franchise in neuem Glanz erstrahlen und hilft die Fehltritte der letzten Jahre zu vergessen. Für mich ist es allerdings nicht die Killer-App, die PlayStation VR in jedes Wohnzimmer bringt, aber zum Glück gibt das Spiel auch ohne den optionalen VR-Modus genug Grund zum Gruseln.

Was uns gefallen hat:

  • Authentische, durchdachte Spielwelt
  • Serientypische Rätsel
  • Bedrückende Atmosphäre
  • Knallhartes Item-Management

Was uns nicht so gut gefallen hat:

  • Träge Steuerung
  • Kurze Spieldauer
  • Magenumdrehender VR-Mode

Shinigaming

Für diesen Artikel wurde uns von Capcom ein Review-Code für PlayStation 4 zur Verfügung gestellt. Was haltet ihr von Resident Evils Richtungswechsel? Seid ihr mutig genug für die volle VR-Experience? Hinterlasst uns einen Kommentar auf FacebookTwitter, oder gleich hier unter dem Post!

  • Quotenfrau mit einer ungesunden Obsession für koreanische Musik, Essen und Fernsehserien. Liebt Fighting-Games und JRPGs. Besitzt ein lebendiges Evoli, und ist wahrscheinlich der größte Tollpatsch Mitteleuropas.

  • Show Comments

Leave a Reply