Gravity Rush 2 im Review

Schwerkraft ist so 2016

Als ich damals in 2012 meine Vita frisch auspackte, war Gravity Rush der Shit. Die Motion-Sensoren des Handhelds gepaart mit der damals echt revolutionären Hardware boten in Summe ein unvergleichbares Spielerlebnis. In der U-Bahn traute ich mich zwar nicht meine Arme zu verrenken, aber zuhause war ich kaum von meiner plötzlich nicht mehr so portablen Konsole loszubekommen. Mehr als drei Jahre nach der ersten Ankündigung auf der Tokyo Game Show und einem gelungenen Remaster für PlayStation 4 ist nun endlich Gravity Rush 2 bei uns angekommen. Inwiefern sich das PlayStation-exklusive Franchise rund um die gravitationslose Kat entwickelt hat, erfährt ihr hier.

Newton würde sich im Grab umdrehen

Für die Leute, die es immer noch nicht herausgelesen haben: Protagonistin Kat kann die Schwerkraft beeinflussen. Shifter nennen sich solche Menschen im Spiel, und diese sind, wie zu erahnen war, furchtbar beliebt um bei Hol- und Bringdiensten auszuhelfen. Von diesen gibt es mehr als reichlich, denn Missionsanzahl und Größe der Map haben sich seit dem Vorgänger locker verdoppelt. “Einfach mehr” ist das offensichtliche Motto von Gravity Rush 2, denn ich habe es zu keinem Zeitpunkt geschafft alle Missionen in meinem Quest-Log zu clearen. Das Spiel ist geschickt darin einen immer wieder mit weiteren Aufgaben zu überladen, ohne dabei auf banale oder gar herzlose Fetch-Quests auszuweichen. Selbst nach etlichen Chapters wurden bei Missionen immer noch neue Mechaniken und frische Ideen eingeführt. Trotz der bemühten Abwechslung der Nebenmissionen war es mir aber dann doch zu viel des Guten. Klar, das Ende des ersten Gravity Rush war abrupt, aber die Ladung an Content, die das Sequel bietet, steht in keinem Vergleich zu dem Fortschritt, den man spürt.

It’s not even my final form

Schon im ersten Teil war es möglich, Kat mithilfe der sammelbaren Gems neue Fähigkeiten erlernen zu lassen. Der Skill-Tree fällt leider viel magerer als der des Vorgängers aus, und wird stark durch ausrüstbare Talismane ergänzt. Diese können natürlich beim Minen gefarmt und später angepasst werden, was allerdings viel Zeit in Anspruch nimmt um für alle Ansprüche perfekte Set-Ups zu finden. Das ständige Wechseln nervt und erweitert die Spieltiefe um einen Aspekt, den der Titel neben seines einzigartigen Gameplays nicht gebraucht hätte. Gerade das kontinuierliche Sammeln der Gems um Kats Skills zu erweitern hat Gravity Rush ausgemacht. Dieses Gefühl fehlt beim aktuellen Teil und nimmt trotz der größeren Welt die Lust an der Erkundungslaune. Ja, sieht so aus, als wäre da irgendwo ein Fehler in der Formel.

Auch von den neueingeführten Verwandlungsformen bin ich kein großer Fan. Die Lunar-Form lässt Kat noch leichter werden und höher springen, während die Jupiter-Form das genaue Gegenteil bezweckt und hauptsächlich für kraftvolle Attacken im Kampf eingesetzt wird. Geändert werden kann die Form jederzeit mit einem simplen Swipe des Touchpads. Hier hätte ich eine Universallösung anstatt verschiedener Spezifikationen bevorzugt, um mich nicht in den vielen unterschiedlichen Situationen anpassen zu müssen und mehr das Gefühl des Vorankommens zu verspüren. Ich will einen Charakter, der nach und nach stärker und mächtiger wird, und sich nicht nach jeder Mission überlegen muss, wie er am besten seine Talismane belegt und Formen einsetzt. Wir sind ja hier schließlich nicht bei Dark Souls.

Königin der Selfies

Gravity Rush 2 fühlt sich nicht nur deswegen eine Liga größer an, weil mehr Orte besuchbar sind, oder die PlayStation 4 die Darstellung imposanterer und bunterer Städte erlaubt. Es sind die Online-Funktionen, die das Spiel um einiges lebendiger wirken lassen. Unaufdringlich wird man immer wieder dazu verleitet mit anderen Spielern zu interagieren – sei es nun durch Schatzsuchen aufgrund von zugeschickten Hinweisbildern, oder durch Anfragen den besten Schnappschuss zu bewerten. In Gravity Rush 2 ist auch neben den herkömmlichen Aufgaben immer etwas zu tun.

Vor allem der Photomodus ist ein integraler Part vieler Nebenmissionen. Abseits der üblichen Verfolgungen, Kämpfe und Schleichmissionen gibt es jetzt auch investigative Aufgaben, die meist mit interessanten Stories der zahlreichen Nebencharaktere verbunden sind. Diese genießen aber vielleicht nicht alle Spieler, da das Spiel in den meisten Fällen auf Bewegtbild verzichtet, und seine Stories gerne charmant mithilfe von Comics bekannten Panels darstellt. Auf eine Sprachausgabe wird nicht direkt verzichtet, aber die Phantasiesprache, die als seltsamer Mix aus Japanisch und Französisch gilt, ist auch bestimmt nicht jedermanns Sache. Fans von JRPGs sind das Lesen gewohnt, aber wer abends knallharte Action zum Wachbleiben braucht, sucht sich besser eine andere Beschäftigung.

Schwerelos und zeitlos

Mit der heißerwarteten Fortsetzung von Kats Geschichte konnten die Entwickler zeigen, wie sehr sie damals von der portablen Hardware zurückgehalten wurden. Gravity Rush 2 ist größer, hübscher, und hat weit mehr Spieltiefe zu bieten als der Vorgänger. Ob soviel Umfang letztendlich nicht zu viel des Guten war, ist fraglich. Wer jedoch Freude daran hat experimentelle Arten von Gameplay zu meistern, kann sich problemlos in diesem zeitlosen Kunstwerk verlieren.

Was uns gefällt:

  • Größere, buntere Open-World
  • Zeitloser Art-Style und Charakterdesign
  • Clevere Online-Features
  • Einzigartiges und forderndes Gameplay

Was uns nicht gefällt:

  • Inspirationsloses Skill-Management
  • Langatmiges Pacing

Shinigaming

Für diesen Artikel wurde uns von Sony ein Review-Code für PlayStation 4 zur Verfügung gestellt. Freut ihr euch über die Fortsetzung von Gravity Rush? Werdet ihr die Motion-Controls der Vita vermissen, oder bevorzugt ihr ohnehin die Steuerung mit dem DualShock 4? Hinterlasst uns einen Kommentar auf Facebook, Twitter, oder gleich hier unter dem Post!

  • Liebt schwarzen Kaffee und Musik mit Schreierei. Ist Gründungsmitglied, aber trotzdem furchtbar schlecht in kompetitiven Spielen. Besitzt ein lebensgroßes Schlüsselschwert um die Welt vor herzlosen Reviews zu beschützen.

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